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[Eulenspiegels Zuhause]

Unter diesem Namen gründete Peter Schilinski 1976 mit Freunden und Freundinnen einen Verein, der die rechtliche Grundlage für den Aufbau des Projektes Eulenspiegel bieten sollte. Das Ziel war ein Kulturzentrum zu schaffen, um im konkreten Alltag und in einem kleinen Projekt die Soziale Dreigliederung nach Rudolf Steiner zu leben. Daher kommt auch der Name "Modell Wasserburg" - ein Modell für gesellschaftliche Neuordnung im Zeichen der Idee der Sozialen Dreigliederung.

Der Gasthof und das Haus sollten kein Privatbesitz einer Person sein, sondern im Besitz des gemeinsamen Vereins Arbeits- und Lebensgrundlage für Menschen bieten, die an dieser Idee arbeiten wollen.
Der Start des ganzen Projektes war möglich, weil alte und neue FreundInnen die Idee unterstützten und sich entschlossen, durch Spenden und Darlehen einen Großteil der Summe zur Verfügung zu stellen, die den Kauf des Hauses ermöglichte.

Anfang 2005 löste sich die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft auf. Die Gründe sind vielfältig, die Entwicklung entspricht sicherlich auch der allgemeinen Entwicklung. Die Lebensform, ohne Hierarchie gemeinsam zu leben und zu arbeiten, ist inzwischen ein Relikt. Trotzdem trägt der Verein und seine Aktiven die Idee weiter, auch wenn sie nicht mehr praktisch gelebt wird. Die Umsetzung muß heute wahrscheinlich anders gestaltet sein, damit "der Geist" wieder Fuß fassen kann.

Die Theorie der Sozialen Dreigliederung besagt, daß es die Entwicklung der Gesellschaft erfordert, die Bereiche der Kultur, des staatlich-rechtlichen Lebens und der Wirtschaft als eigenständige Bereiche zu behandeln, die jeweils ihre eigene Entwicklungsnotwendigkeiten haben.
Für die Kultur (Kunst, Bildung, Forschung usw.) ist die Freiheit jeglicher Richtung lebensnotwendig. Alle staatlichen oder wirtschaftlichen Gängelungen ersticken ihre schöpferischen Möglichkeiten.
Nur eine wirklich unabhängige Presse kann eine Urteilsfähigkeit ermöglichen, die für die Rechtsverhältnisse in einem demokratischen Staat notwendig sind. Jede/r sollte gleichberechtigt entscheiden dürfen über Fragen, die sein/ihr Leben betreffen.
In der Wirtschaft ist Zusammenarbeit notwendig, um angesichts unserer Umweltsituation die Lebensgrundlagen in möglichst effektiver, menschen- und naturgemäßer Weise zu nutzen.

An diesen Ideen arbeitet der Verein - für das eigene Zusammenleben und für größere gesellschaftliche Zusammenhänge. Heute geschieht dies, indem der Verein, der Mitglieder in Deutschland, der Schweiz und in den Niederlanden hat, das Haus und die Einrichtung besitzt und dem Projekt Eulenspiegel zur Verfügung stellt. Der Verein verpachtet die Gaststätte, ist der Veranstalter im Kulturzentrum, unterstützt den Jedermensch-Verlag, die Begegnungsstätte in Comiso und die Projektwerkstatt am See.

Für den Verein sind die Inhalte im Sinne der Sozialen Dreigliederung wichtig, nicht daß das Projekt sich grundsätzlich als anthroposophisch oder als "Dreigliederungs"-Projekt versteht.

Spenden und/oder Darlehen sind nach wie vor willkommen.
Abzugsfähige Spendenbescheinigungen können ausgestellt werden.

Spendenkonto:
Modell Wasserburg e. V.
Kontonummer 100212652
Bodenseebank Wasserburg BLZ 733 698 21.

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Grüsse aus Wasserburg

 

Zur Person Peter Schilinski (*23. 9. 1916 +24. 12. 1992)

Peter Schilinski

 

 

"Wahrheit und Liebe verbinden ist die einzige
Möglichkeit, um positiv wirksam zu werden.
Ohne das Erüben von Menschenerkenntnis,
Selbsterkenntnis, Toleranz und gegenseitigem
Interesse hat die ganze politische Geschichte
kein Fundament."
(Peter, 1988).

Bereits 1954 gründete Peter Schilinski mit anderen zusammen eine erste Lebens-, Wohn- und Arbeitsgemeinschaft in Witthüs auf der Nordseeinsel Sylt. Dort arbeitete er mit FreundInnen (u.a. Ulle Weber) an der Idee der Sozialen Dreigliederung.
Um diese Arbeit zu vertiefen, entstanden in der Folge mehrere Arbeitskreise in ganz West-Deutschland. 1958 rief er die die Zeitschrift "Jedermann", ins Leben, die heute noch als jedermensch existiert.
Nach einer Zwischenstation in den "Witthüs-Teestuben" in Hamburg wurde 1971 das "Internationale Kulturzentrum Achberg" ( INKA) als Zentrum der "Dreigliederer" gegründet.
1975 verließ Peter das INKA - und nach kurzem Aufenthalt in der " Alten Post" in Hergensweiler - wurde das Modell Wasserburg, die Gaststätte "Zum Eulenspiegel", wiederum als Arbeits- und Lebensgemeinschaft, zu seiner letzten Wirkensstätte.

Sein Engagement galt seit 1945 der Verbreitung der Idee der Sozialen Dreigliederung und der Erarbeitung der Anthroposophie und deren Umsetzung im Konkreten.

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Grüsse aus Wasserburg

 

Soziale Dreigliederung im Projektalltag
Im Laufe seiner Geschichte hat sich der "Eulenspiegel" immer wieder verändert. So gibt es Anthroposophie und Soziale Dreigliederung mittlerweile nicht mehr als Überbau, sondern findet sich im Alltag bzw. in Teilen des Projektes wieder.
Wir veröffentlichen an dieser Stelle einen Text von Peter Schilinski, den er 1979 für den "jedermensch" schrieb. Darin wird der ehemalige Anspruch verdeutlicht. Auch wenn sich unser Selbstverständnis ändert, bleibt diese Geschichte ein Teil des Projektes und spielt immer wieder eine gewichtige Rolle in unseren Versuchen uns selbst zu finden.

"Die Freiheit im Geistesleben, die die Dreigliederung will, muß sich in erster Linie auf die geistige Freiheit andersdenkender beziehen. Auch die Anerkennung der Gleichheit von Mensch zu Mensch und jene Brüderlichkeit, die im Rahmen einer assoziativen Wirtschaft die Richtungskraft einer Wirtschaft im Dienste des Menschen sein soll, muß in erster Linie immer den anderen meinen, denjenigen, der es anders machen will. Nach meiner Erfahrung handelt es sich bei dieser Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit nicht nur um Ideen, die jedem einigermaßen liberal denkendem Menschen vom Verstand her einleuchten können. Es geht um mehr.
Es geht um eine charakterliche Qualität bei der Verwirklichung dieser Ideen. Ist diese Qualität nicht vorhanden und wird nicht einmal zugestanden, da sie nicht vorhanden ist, daß in einem inneren Kampf mit sich selbst darum gerungen werden muß und: Findet dieses Ringen nicht offensichtlich statt, dann bleibt es bei den Phrasen, zu denen diese Ideen inzwischen entartet sind.
Es wollte mir lange nicht in den Kopf, daß selbst unter den Dreigliederern die mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verbundenen charakterlichen Qualitäten nicht vorhanden waren. Selbst unter ihnen fand man und findet man noch heute kein Bemühen die anders gearteten Ansätze anderer Dreigliederer im Sinne dieser geistigen Freiheit, dieser menschlichen Gleichberechtigung brüderlich, das heißt für mich auch positiv zu verstehen. Es soll ja keiner seinen Standort verleugnen, aber es müßte doch selbstverständlich sein, daß der andere Weg des anderen auch positiv verstanden wird. .

Wenn ich die Veröffentlichungen der Vertreter der Dreigliederung sehe, bekomme ich den Eindruck, als würde jeder die Beiträge der anderen nur mit dem Rotstift zensieren, um "Fehler nachzuweisen", Fehler im Ganzen und Fehler im Einzelnen. Ich sehe kein Bemühen, zu verstehen warum der andere, oder die anderen so denken und handeln.

Im überschaubaren Bereich einer Wohn- und Arbeitsgemeinschaft geht es laufend, Tag für Tag darum, denjenigen oder diejenigen, die anders denken, zu verstehen, ihre Gleichberechtigung als Mensch zu achten und ihnen womöglich brüderlich zur Seite zu stehen. Da wird es für jeden klar, wie wahnsinnig schwer das ist, besonders dann, wenn wirklich eine kollegiale Struktur vorgegeben ist, wenn keiner durch seine äußere Position mehr zu sagen hat. In der Arbeits- und Wohngemeinschaft wird aber auch klar, daß ein Mindestmaß der mit Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit verbundenen menschlichen Qualitäten errungen werden muß, wenn das gemeinsame Projekt nicht zerstört, sondern gemeinsam weiter entwickelt werden soll.

In jedem großen Zusammenhang kann nach meiner Erfahrung unkontrollierbar manipuliert und gemauschelt werden. In einem überschaubaren Zusammenhang treten Manipulationen zutage. Sie können erkannt werden, man kann sie zur Diskussion stellen. Es ist möglich, sie zu verändern. Die Arbeits- und Wohngemeinschaft ist für mich ein Kampffeld, auf dem jeder mit sich selbst und mit anderen um die inneren Qualitäten von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit kämpfen muß. Hier erfahre ich mit aller Deutlichkeit, welche Kraft die Idee der Dreigliederung hat, wenn sich eine Gruppe von Zusammenarbeitenden bewußt auf diese Idee im Alltag bezieht.
Habe ich meinen eigenen Standpunkt frei geäußert?
Hab ich (aus Angst) gekniffen?
Hab ich in die Freiheit des anderen eingegriffen?
Habe ich seine Gleichheit als Mensch bewahrt?
Die der anderen geachtet?
Hab ich, was ich kritisch zu bemerken hatte, in einer brüderlichen Gesinnung ausgesprochen?
War ich mal wieder "besser"?
Oder hab ich brüderlich beachtet, daß jeder etwas "Besser" kann und ich manches "Schlechter"?
und so weiter.

In der Arbeits- und Wohngemeinschaft führte mich die Idee der Dreigliederung dazu, sehr deutlich meine mangelnden Qualitäten im Hinblick auf die große Freiheit, die große Gleichheit und die große Brüderlichkeit zu erkennen. Aber auch dazu, daß in einer solchen Gruppe allmählich wirklich etwas von dem verwirklicht werden kann, daß für alle fühlbar wird, was die Dreigliederung meint."
Peter Schilinski (7/8 1979)

Sämtliche Publikationen von Peter Schilinski finden Sie beim jedermensch-Verlag.

 

Weitere Informationen erhalten Sie bei

Modell Wasserburg e.V.
Dorfstrasse 25  88142 Wasserburg am Bodensee
Telefon/Fax: 08382/89056  
eulenspiegel.wasserburg@t.online.de

 

Herzliche Grüsse vom Eulenspiegel

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